Gott hält uns an Seiner Hand
Seit einiger Zeit geht es mir im Gottesdienst so, als müsste ich aufstehen und Zeugnisse geben. Ich bin mir so oft bewusst, dass die Gnade Gottes mich durch mein Leben leitet Seine Barmherzigkeit, aber vor allem Seine große Liebe. Die Predigt von Dominique am 28.04. war so beeindruckend und brachte mir mein Erlebtes in Erinnerung. Aus Jesaja 40 bekam ich wieder einmal eine Bestätigung. Dort heißt es ab Vers 29:
Den Erschöpften gibt er neue Kraft und die Schwachen macht er stark. [...] Aber alle, die ihre Hoffnung auf den Herrn setzen, bekommen neue Kraft...
Welche Erinnerung? Das will ich Euch gerne erzählen.
Eine Auszeit wollte ich mir nie nehmen und über eine längere Zeit hatte ich starke, völlig unkontrollierte Wutanfälle. Und eines kann ich Euch sagen, meine Kinder haben sehr darunter gelitten.
Am 17.12.2008 betete ich zum Herrn, "Bitte mache aus mir einen guten Menschen und erfülle mich mit deiner Liebe. Ich bin fix und fertig und die Mädels bekommen meine Launen ständig zu spüren! Bitte Vater, hilf meinen Kindern und mir."
Am 19.12.2008, nur zwei Tage später, wurde ich von jetzt auf gleich mit Blaulicht ins Krankenhaus eingeliefert. Ich bin dem Herrn so dankbar, dass Er mir ein starkes Herz gegeben hat. Diagnose: Burn-Out - totaler körperlicher Zusammenbruch mit schweren Depressionen. Das sich so etwas über viele Jahre anbahnt, brauche ich Euch sicher nicht zu erklären. Nun hatte ich eine unfreiwillige Auszeit; zwei Monate Krankenhaus mit vielen dunklen, düsteren Tagen. Ich hatte solche Angstzustände. Dieses Gefühl nicht mehr glücklich werden zu können, keine Hoffnung, keinen Ausweg... Wo war Gott? Warum ließ er mich allein?
Ich war mir sicher, dass ich so viel Schuld auf mich geladen hatte. Er konnte mich nicht mehr lieben, so eine wie mich! Weitere Monate vergingen und ich musste auch noch tagsüber ins Krankenhaus. Ich betete, betete, betete, bis plötzlich alles seinen Lauf nahm: Zuerst kam ich in die Scala, dann ging ich zum Hauskreis, ich las regelmäßig die Bibel und ich bekam so viele Antworten von Gott. Antworten aus der Bibel, durch Mitmenschen, Gottesdienste, bei einem Konzert. Er brachte mir und meinen Töchtern in einer Nacht den gleichen Traum, also Visionen. Er stellte mir Brüder und Schwestern zur Seite, die für mich beteten und mich segneten. Unser Vater brachte mir auch das Licht!
Es ist schwierig, dies alles in Kürze zu erzählen. 2008 fühlte ich mich verlassen, ich war abhängig von Ärzten, Medikamenten und Therapeuten. Ich will euch Mut machen, denn eine depressive Zeit ist keine Bestrafung von Gott. Er hört nie auf uns zu lieben. Und in unserer Zeit ist es kein Einzelfall Ängste zu haben. Heute, im Jahr 2010, kann ich den Herrn nur loben und preisen. Ich bin dankbar für diesen schweren Weg, denn Er hat mein Gebet von damals erhört und mir sofort geholfen. Ich bin noch in der Entwicklung. Aber Er macht aus mir einen besseren Menschen, einen Christen, der Jesus liebt und vertraut. Einen, der die Hoffnung nicht aufgibt und der Fremden mit Offenheit begegnet, und mit seiner Hilfe hat er aus mir eine kraftvolle Mutter gemacht, Er bringt mir inneren Frieden.
Ich hoffe, Euch ist aufgefallen, dass ich im Vergleich zu den negativen Erfahrungen und Gefühlen so viele positive Punkte nennen konnte. Und da heißt es Depressionen seien nicht heilbar? Doch! Ich kann es bezeugen; beim Vater ist alles möglich.
Denn ich bin der Herr, Dein Gott. Ich nehme Dich an Deiner rechten Hand und sage: Habe keine Angst! Ich helfe Dir. Jesaja 41,13
Eure Angélique
Jesus mein Beschützer
Ich könnte so viele Zeugnisse geben, aber dies ist mein Wichtigstes.
Als mein Mann vor fast sechs Jahren auf sehr tragische Weise verstarb, habe ich zwei Wochen geweint, nur im Bett gelegen, nichts gegessen und zwei Schachteln Zigaretten am Tag geraucht. Ich konnte mich nicht mehr um meine Kinder, den Haushalt und um den Betrieb meines Mannes kümmern.Ich hatte mich aufgegeben und wollte nicht mehr ohne ihn weiter leben.
Uwe Velbert, der Pfarrer in unserer alten Heimat, besuchte mich regelmäßig und sagte mir wohl das Wichtigste in dieser Zeit: "Du hast zwei Wege, die Du gehen kannst! Der eine Weg ist ohne Gott und recht finster. Der andere Weg ist mit Gott und der wird irgendwann auch wieder hell und klar! Gib Dich im Namen Jesus Christus nicht auf!"
Wow, das hatte gesessen. In mir tobten Schmerz, Leid, Trauer, Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung und Einsamkeit. In dieser Nacht, als alle schliefen, betete ich nach langer Zeit wieder und plötzlich durchströmten mich Gefühle wie Liebe, Wärme, Trost und Hoffnung. Das war Wahnsinn. Ich vertraute Gott und Jesus und ich wusste, dass alles gut wird und ich meinen Weg und auch wieder Kraft finden werde. Am nächsten Morgen stand ich nach Wochen wieder auf und bat meine Schwester um Essen und meine Kinder jubelten und hatten ihre Mama wieder.
Na klar ist es traurig. Aber ich bin glücklich, wenn ich an diesen Moment mit Jesus und unseren Vater denke. Sie haben mich persönlich getröstet; da bin ich mir sehr sicher.
Danke und Amen
Eure Angélique

